Eisenberg zieht alle Register!

In der neuen Kirche in Schönheide begeisterte Professor Matthias Eisenberg die Zuhörer bei einem exklusiven Orgelkonzert. Eingeladen dazu hatte der Vorsteher der Gemeinde, Hirte Hartwig Baumann.

Das Konzert begann furios mit dem fanfarenähnlichen Anfang von „Toccata con Fuga in d“ (BWV 565), aus der Feder von J. S. Bach. Wahrlich – da trafen 2 Meister aufeinander! Bach's Komposition, in Noten gekleidet der Nachwelt erhalten, wurde meisterhaft in die Gegenwart transportiert durch den Organisten. Die markante gegenläufige Intonation erzeugte einen Echoeffekt und in einem langen Ausklang in Moll endete das Stück. Im Gegensatz dazu der Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“ (BWV 147) mit volkstümlich eingehender Melodie, die man nicht so leicht aus dem Ohr verliert.

Bei der „Toccata XI in A“ von Alessandro Scarlatti erklangen feine Flötentöne im Presto und versuchten die Zuhörer in schier unerreichbare Sphären zu entführen – vergeblich. Immer wieder wurden sie gehalten von den ruhigen begleitenden Basstönen, zärtlich entlockt vom Orgelmeister.

„Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Dieterich Buxtehude und danach der gemeinsam gesungene Choral „Großer Gott, wir loben dich!“ – schon war der erste Teil des Konzerts vorbei. Bei einem Glas Saft oder Sekt und einem Imbiss ließ sich zwanglos über das Gehörte und Gefühlte austauschen.

Nach der Pause gab es – für die eiskalte Jahreszeit eigentlich unmöglich – einen „Hummelflug“. Man konnte das lästige Insekt fast sehen und verfolgen und war beinahe gewillt, danach zu schlagen. Aber es war nicht zu fassen. Die filigrane Fingerfertigkeit Eisenbergs in diesem Stück von Nikolai Rimski-Korsakow war unglaublich.

„Nocturne op. 9 Nr.2“ von F. Chopin lud fast zum Mitschunkeln ein. Gegen Ende des Orgelstücks war auch die Hummel noch einmal kurz zu hören.

Bei F. M. Bartholdy, der für seine gewaltigen Orgelsätze bekannt ist, war Matthias Eisenberg richtig in seinem Element. Es erscholl ein voller Chor, steigerte sich noch weiter bis zum ‘Tutti‘ und ging abschließend in ein wohltuend sehnsuchtsvolles „Andante tranquillo“ über, ganz lange ausklingend…

Alle Noten weg! Der Professor allein mit 56 Tasten im Manual, 30 Tasten im Pedal und 11 Registern. Kein Tonsatz mehr, der einen Ablauf vorschreibt – das nennt sich Improvisation. Und was der Meister da darbot, teilweise zart, ja fast unhörbar leise, dann wieder aufschwingend bis zur völligen Entfesselung, das war nicht Stückwerk, sondern monumental. Er zauberte Begeisterung in die Augen vieler Zuhörer und bei etlichen ein anerkennendes Lächeln ins Gesicht. Lang anhaltender Beifall war dann die Antwort der Zuhörer als Dank für das unbeschreibliche Erleben. Als weitere Zugabe improvisierte Eisenberg das Volkslied „Ännchen von Tharau“. So hat dieses Lied sicher noch niemand gehört.

Im gemeinsam gesungenen „Nun danket alle Gott!“ fand das Konzert einen kraftvollen Schlusspunkt.

Nicht die Anzahl der Tasten ist entscheidend, sondern was man damit macht!“ Professor Matthias Eisenberg, der bekannte Kirchenmusiker, hat in eindrucksvoller Weise vorgeführt, mit welcher Fülle an Klängen ein Kirchenraum ausgefüllt werden kann.

D.T.

Professor Matthias Eisenberg

Matthias Eisenberg stammt aus einem traditionsreichen, musikalischen Umfeld: 1956 wurde er in Dresden geboren. Seit seinem fünften Lebensjahr erhielt er Klavierunterricht und nach den ersten Versuchen an der Orgel war er schon ab dem neunten Lebensjahr Organist in seiner sächsischen Heimatstadt und an verschiedenen umliegenden Kirchengemeinden sowie dann fünf Jahre lang Mitglied des Dresdner Kreuzchores.

Er studierte in Leipzig an der Hochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" bei Wolfgang Schetelich. Eisenberg war Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Auf der Grundlage seines umfassenden, jederzeit abrufbereiten Repertoires hatte er sich eine für einen Organisten ungewöhnliche Popularität erspielt. Zudem gilt er als Meister der freien Improvisation. Bei zahlreichen Orgelneubauten und -renovierungen wird er als Orgelspezialist hinzugezogen.

1980 wurde er als Gewandhausorganist zu Leipzig verpflichtet, wo er gleichzeitig Cembalist des Leipziger Bachorchesters war.
1986 erfolgte die Übersiedlung in den Westen. Nach kirchenmusikalischer Tätigkeit in Frankfurt am Main und Hannover konzertierte er als Organist und Cembalist und spielte zahlreiche Rundfunk- und CD-Produktionen ein. Konzertreisen führen ihn in viele europäische Länder, außerdem in die USA, nach Kanada, Lateinamerika, Indien, Russland und Fernost.

Von 1992 bis 2004 war Eisenberg Kirchenmusiker an St. Severin in Keitum / Sylt. Von dort aus setzte er seine Konzerttätigkeit auf dem Festland unvermindert fort. Zu einem geradezu triumphalen Erfolg wurde im Januar 2001 sein erster Auftritt nach 15 Jahren im Leipziger Gewandhaus: In dem seit Wochen ausverkauften Haus erklatschte sich das Publikum mit stehenden Ovationen eine Zugaben-Serie von mehr als einer Stunde.

Im Jahre 2003 wurde Matthias Eisenberg zum Professor und Kirchenmusikdirektor ernannt.

Seit November 2004 ist er Kantor und Organist an der Luther-, Moritz- und Johanniskirche in Zwickau.

Quelle: www.matthias-eisenberg.de (Die Übernahme der Biografie erfolgte mit freundlicher Zustimmung von Professor Matthias Eisenberg.)