Jugend von A Bis Z

"Jugend von A Bis Z" - "Aue Bautzen Zwickau" oder "Andacht Bis Zeit". Verschiedene Überschriften für ein Wochenende, aber betrachten wir es mal aus der Sicht eines Armbändchens...

Es ist Freitag, kurz vor 15.00 Uhr. Ich liege zusammen mit gut 160 Artgenossen in einer Schüssel am Eingang zum KiEZ Schneeberg. Ich freue mich schon auf das Handgelenk, an dem ich dieses Wochenende verbringen darf. Egal, ob es nun einem Mädchen oder Jungen gehört. Hoffentlich tut es nicht so weh, denke ich mir, wenn das Stück Aluminium zugepresst wird, was meine beiden Enden an jenem Arm dann fest verbindet. Ich bin weiß und auf mir steht „Filzteich 2010 – NAK Jugend aus Bautzen, Zwickau, Aue“. Eigentlich hätte da noch Wolfsburg, Würzburg, Wernigerode usw. hingehört, aber auf mir war wahrscheinlich nicht genug Platz. Ich liege also, sehe zu, wie ein Armbändchen nach dem anderen aus meiner Nachbarschaft verschwindet und hoffe, dass mich nun endlich auch jemand „erlöst“. Und tatsächlich, kurz vor 19.00 Uhr bin ich dran – an einem Handgelenk eines Zwickauers. Schnell das Zimmer beziehen und dann zum Abendessen. Ich sitze recht locker an meinem Träger und deshalb werde ich ganz schön durchgeschüttelt. Gegen 20.00 Uhr komme ich dann allerdings zur Ruhe. Mein „Zwickauer“ lauscht nämlich den Begrüßungsworten und ich höre etwas von Nachtwanderung. Toll, jetzt geht das Abenteuer los. Mitten in meine Freude hinein klatscht aber plötzlich ein großer Regentropfen auf die Hand unter mir. 'Hoffentlich verschwimmt jetzt nicht mein Aufdruck' denke ich mir noch und bin schon auf dem Waldweg unterwegs, der den Filzteich umrundet.

Nach wenigen Minuten mache ich Halt und beobachte, wie ein paar andere Armbandträger auf eine Torwand schießen. Auch auf der weiteren Wegstrecke kommen noch merkwürdige Stationen, wie Karaoke-Singen oder gefrorene T-Shirts anziehen. Aber weil mein Zwickauer kräftig lacht, denke ich, dass ihm das alles gefällt. Vorbei am Glücksrad schlenkere ich dann direkt zum See. Ein anderes Armbändchen neben mir fragt mich, ob ich schwimmen kann. Aber ich komme gar nicht zum Antworten. Mein Träger wirft nämlich schon die Paddel eines kleinen Ruderbootes hin und her. An einem Floß mitten im Filzteich macht er halt. Dort sitzt dieser junge Mann ganz allein auf einem Stuhl und hält die Bibel in der Hand. Der Mann ist ganz durchnässt. Aha, Bibelquiz auf dem Wasser. Auch mein Zwickauer ist völlig durchnässt und ich wünsche mir, bald mit ihm im Trockenen zu sein. Nach ca. anderthalb Stunden erreichen wir endlich wieder den Ausgangspunkt. Gegen eine warme Dusche habe ich jetzt wirklich nichts einzuwenden und bin froh, dass mein Träger den gleichen Gedanken hat. Gegen Mitternacht werde ich langsam müde. Doch was nun? Ach ja, das hätte ich fast vergessen – die Siegerehrung der Nachtwanderung. Das ständige Durchschütteln beim Applaudieren und meine Neugierde, ob ich im Gewinnerteam mitgetragen wurde, verdrängen meine Müdigkeit. Leider hat es am Ende doch nicht zum ersten Platz gereicht, aber ich freue mich mit den Siegern, die einen Regenschirm mit der Aufschrift „Filzteich 2010“ erhalten.

Eine kurze Nacht später bin ich ganz gespannt, was mein „Zwickauer“ heute mit mir unternimmt. Immerhin soll dieser Tag nicht ganz so verregnet sein.

Mittlerweile ist es kurz nach Mittag. Ein großes Fußballturnier steht auf dem Programm, in dem sechs Mannschaften gegeneinander antreten. Und ich darf auch mitspielen. Ein anderes Bändchen erzählt mir in der Spielpause vom so genannten „Zeit-RAUM“ und rät mir, dort einmal hinzugehen. Ich antworte, dass ich und mein Träger leider keine Zeit dafür haben. „Siehst du, genau darum geht es“ bekomme ich als Antwort. Das Bändchen erzählt von dem Hörspiel, das im besagten Raum angeboten wird. „Es ist ein Ausschnitt aus der Predigt eines Pfarrers in dem deutlich gemacht wird, dass die Menschen trotz Zeit ersparender Erfindungen (wie z.B. dem Telefon) immer weniger Zeit haben und viel zu beschäftigt sind. Und dabei ist es so wichtig, sich für das Wesentliche Zeit zu nehmen – für Gott.“

Zu uns gesellt sich ein weiteres Armbändchen. Es ist an einem erröteten Handgelenk befestigt und macht einen erleichterten Eindruck. Wir erfahren, dass es gerade vom Volleyballfeld kommt und große Schmerzen ertragen musste. Doch den Jugendlichen scheint es gefallen zu haben – und das ist die Hauptsache.

Nach insgesamt drei Stunden Spielzeit ist auch das Fußballturnier vorbei. Auf einem Programmzettel habe ich vom anschließenden Musikworkshop gelesen. Was da wohl los ist? Ich werde hingetragen. Mit uns sind viele weitere Musikfreunde der Einladung gefolgt. Dann geht es los. Bevor wir lustige Atemübungen durchführen, erzählt uns ein Dirigent, dass wir die Lieder für den Sonntagsgottesdienst einstudieren werden. In den knapp 90 Minuten habe ich so neun Lieder und drei Dirigenten kennen gelernt und freue mich schon auf morgen, wenn ich mir die Liedvorträge noch einmal anhören darf.

Nach dieser musikalischen Verschnaufpause nimmt mich mein „Zwickauer“ mit zum Grillplatz. Heute gibt es Essen im Freien.

Ab 21.00 Uhr finden die letzten Programmpunkte dieses Tages statt. "Come to my Jesus" ist einer davon. Eine kleine Band spielt dieses Lied. Wie ich hinterher erfahre, war das der EJT-Song vom letzten Jahr. Echt klasse – der gefällt mir!

Direkt danach folgt etwas Ruhigeres. Armbändchenträger aus Schwarzenberg & Co. animieren uns während der Abendandacht, noch einmal über das Thema "Zeit" nachzudenken. Mir gefällt dabei das Schattenspiel, in dem die Lebenszeit eines Menschen dargestellt wird, besonders gut. Außerdem habe ich Wissenswertes und biblische Bezüge zur (End-)Zeit erfahren. Bischof Matthes betet abschließend noch mit uns und freut sich auf ein Wiedersehen im morgigen Gottesdienst.
Mein "Zwickauer" will jetzt aber noch nicht ins Bett. Lieber gönnt er sich einen Drink an der (mobilen) Cocktailbar, die heute am Filzteichufer aufgebaut wurde. Nebenan knistert das Holz vom Lagerfeuer und im Hintergrund ertönt Hip-Hop-Musik von einem Bautzner Hobby-DJ. Nachdem ich dort noch ca. zwei Stunden lang mit "rumhing", freue ich mich, endlich schlafen gehen zu können. Schließlich beginnt um 10.00 Uhr der Gottesdienst mit Apostel Bimberg.

Am nächsten Morgen bin ich eigentlich noch ganz schön müde. Aber mit der Zeit werde ich immer munterer. Hellwach bin ich spätestens jetzt, als mein Träger direkt vor einer Trompete stehen bleibt. Das Blechblasorchester des Bezirks Aue ist nämlich gekommen und spielt einige Musikstücke. Dann singen die Sänger wieder diese schönen Lieder.

Und nun beginnt er: mein erster Gottesdienst. Apostel Bimberg ergänzt zum Thema "Zeit", dass auch diese erst mit der Schöpfung geschaffen wurde. Davor gab es noch keine Zeit. Interessant. Ansonsten gehen die Gedanken darum, alte Grenzen nicht zu überschreiten (Sprüche 23, 10).
Kurz vor Schluss des Gottesdienstes erhält Diakon Alexander Friedrich das Priesteramt und übernimmt die Aufgabe als Bezirksjugendleiter im Bezirk Aue. Jetzt weiß ich auch, an wen ich mich wenden muss, um all die anderen Armbändchen/-träger einmal wiederzusehen.

Schließlich bin ich froh, an diesem Wochenende dabei gewesen zu sein und so viel erlebt zu haben.

Text: M.T. und F.S. Bilder: Ch.S.