Wunder in der Finsternis

Auf den Jugendgottesdienst am ersten Sonntag im Juli hatten sich die Jugendlichen des Bezirkes Aue schon seit längerem gefreut. War doch an diesem Sonntag auch der Gottesdienst für Entschlafene. Um ein besonderes Erleben zu haben, hatten sich die einzelnen Jugendgruppen dementsprechend vorbereitet.

Für den 4. Juli 2010 hatte Bezirksältester Mathias Voigt einen speziellen Jugendgottesdienst vorgesehen. An diesem Sonntag sollte der Gottesdienst für Entschlafene einmal vor allem im Kreis der jungen Glaubensgeschwister erlebt werden. Darauf freuten sich die Jugendlichen des Bezirkes nicht nur einfach so, sondern sie bereiteten diesen Höhepunkt auch in einer intensiven Weise vor.

Am Freitag, dem 2. Juli trafen sich die Jugendlichen in Schneeberg zu einer eindrucksvollen Jugendstunde mit Bischof Thomas Matthes. Der bevorstehende Gottesdienst für Entschlafene stand dabei natürlich im Mittelpunkt der Gespräche. Bischof Matthes ging einfühlsam auf die Gedanken der Jugendlichen über das Entschlafenenwesen in unserer Kirche ein und beantwortete ausführlich ihre Fragen.

Auch am Samstag und am Sonntagvormittag gab es weitere Aktivitäten der Jugendgruppen des Bezirkes Aue, die auf den außergewöhnlichen Gottesdienst vorbereiteten. Die Jugendgruppen Aue-Neudörfel und Zschorlau wanderten in ein idyllisches Waldstück zwischen Zschorlau und Burkhardtsgrün. Priester i. R. Falko Georgi, der früher in diesem Bereich tätig war, begleitete die Jugendlichen als wegekundiger Revierförster A.D.

Ziel war ein Gedenkstein für zwei im Jahr 1916 verunglückte Frauen. Damals kamen sie beim Holzrücken ums Leben, als ein Stapel von Baumstämmen ins Rollen kam und sie unter den schweren Stämmen begraben wurden. Die beiden Frauen waren da gerade 27 und 28 Jahre alt. Nun stand Bruder Schürer gemeinsam mit seiner Enkelin an dieser Stelle und gedachte zusammen mit den Jugendlichen an seine verunglückte Großmutter. Im fürbittenden Gebet verbanden sich alle mit den beiden Verunglückten. Mit einem Blumenstrauß und einem Schild "Wir haben an euch gedacht..." verabschiedeten sie sich von dieser Gedenkstätte - wohl wissend, wieder eine Verbindung zur Ewigkeit geknüpft zu haben.

Die Jugendlichen aus Aue trafen sich am Sonntagvormittag auf dem Friedhof am Grab von Evangelist Wolfgang Thamm. Fast allen Jugendlichen war er sehr gut bekannt, denn schließlich hatte er die meisten von ihnen als Kinderlehrer einige Jahre betreut. An seinem Grab sangen sie einige Lieder und erinnerten sich dabei an so manche gemeinsame Stunden.

Den Gottesdienst am Sonntagmittag begann Bezirksältester Mathias Voigt mit dem Bibelwort aus Psalm 88, 13: "Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt...?" Der Bezirksälteste führte aus, dass er an diesem wettermäßig heißen Sonntagmorgen bereits am nahegelegenen Filzteich war - allerdings nicht zum Baden, was die Jugendlichen lächeln ließ. Er erzählte davon, daß 1873 am Filzteich bei einem Dammbruch 17 Menschen ums Leben kamen. An diese Seelen hatte er in einem Gebet am Morgen im Besonderen gedacht.

Auch der Altarschmuck war auf eine ungewöhnliche Weise gestaltet. Es stand ein geflochtener Korb mit dabei. Dort konnten die Jugendlichen Zettel einlegen mit den Namen der Personen, für die sie persönlich intensiv gebetet hatten. Sehr beeindruckend war auch, dass viele Jugendliche die Kirche mit einer Rose in der Hand betraten und zum Altar gingen, um sie dort in stillem Gedenken abzulegen.

Am Ende des Gottesdienstes rezitierte eine junge Schwester ein Gedicht. Darin wird das einzigartige Gefühl beschrieben, geliebt zu werden. Ganz leise spielte dazu die Orgel das Chorlied "Gott ist die Liebe". Die Empfindungen und die Ergriffenheit, die dabei jeder in seinem Herzen fühlte, lässt sich nur schwer mit Worten ausdrücken.

DANKE für dieses Wunder!

Text und Bilder: Ch.S.

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