"Glück auf!"

Im Kirchenbezirk Aue wurde erstmals eine Konfirmandenfreizeit organisiert und durchgeführt. Zum Programm gehörte die Besichtigung eines Besucher-Bergwerkes. Dabei konnten die Konfirmanden nachempfinden, was es bedeutet, aus der Tiefe eines Bergwerks wohlbehalten ausfahren zu können.

Erste Konfirmandenfreizeit im Kirchenbezirk Aue

Der traditionelle Bergmannsgruß "Glück auf!" ist im Erzgebirge, einer ehemaligen Bergbauregion, weit verbreitet. Die "Kumpel" wünschten sich Glück, um täglich gesund die Ausfahrt aus dem Berg zu erleben. Auch wir Konfirmanden des Jahres 2007 aus dem Kirchenbezirk Aue und unsere Begleiter konnten in den vergangenen Tagen nachempfinden, was es bedeutet, aus der Tiefe eines Bergwerks wohlbehalten ausfahren zu können. Doch dazu später.

In den Tagen vom 12. bis zum 14. Januar hatten wir uns zur ersten "Konfirmandenfreizeit" im KIEZ, im "Kinder- und Erholungszentrum Schmalzgrube" nahe der deutsch-tschechischen Grenze eingefunden. Das KIEZ besteht aus zwei Häusern und einer schönen Freizeitanlage.

Um nach der Ankunft das "Eis" zwischen uns zum Schmelzen zu bringen, wurden wir von unseren Betreuern zu "Journalisten" gemacht: jeder erhielt einen Gesprächspartner. Man interviewte sich gegenseitig und notierte alles, was für die gesamte Gruppe interessant zu sein schien. Dann stellte jeder seinen Gesprächspartner vor. Vom "Döner-Experten" bis zur "Shopping-Frau" war alles dabei.

Im Anschluss grillten unsere Jungen für das Abendessen Steaks und Bratwürste. Die Mädel hatten inzwischen den Tisch eingedeckt. Dann nahmen wir bei Kerzenlicht die erste gemeinsame Mahlzeit ein. Nachdem wir genug gegessen und gesessen hatten, war Bewegung angesagt, und so spielten wir in der Turnhalle mit großer Begeisterung Völkerball und Fußball, bis unsere Begleiter uns zum Schlussgebet und zur Nachtruhe riefen.

Nach einer kurzen Nacht und dem gemeinsamen Frühstück brachte uns der Bus zum Besucher-Bergwerk "Markus-Röhling-Stollen" in Annaberg-Buchholz. Hier gab es eine große Überraschung: Unser Bezirksältester Matthias Voigt und Bezirksevangelist Dietmar Löffler begrüßten uns freudig.

In der "Kaue", dem Umkleideraum der Bergarbeiter, zogen wir Bergmäntel an und schützten den Kopf mit einem Helm. Wir liefen zum Lift, mit dem es rasch in die Tiefe ging. Unten angekommen, wartete die Grubenbahn auf uns. Sie brachte uns in drei Minuten ca. 600 m in den Berg. Gut durchgeschüttelt entstiegen wir den engen Waggons.

Unter Tage erlebten wir eine faszinierende Führung über den Abbau von Erzen, wie Silber, Kobalt und Uran. Wir konnten das Verlangen der Bergleute nach Licht nachempfinden, als plötzlich alle Lichter erloschen und wir im Dunkeln standen. Nur eine kleine "Froschlampe" gab etwas Licht ab. Die Froschlampe ist eine alte Bergmannsleuchte, die schon im 16. Jahrhundert benutzt wurde. Sie funktioniert wie eine Öllampe. Der Brennstoff allerdings ist "Unschlitt"; er besteht aus fettigen, tranigen Tierabfällen.

Mit der Hand schlugen die Bergleute vorzeiten 1.60 m bis 1.70 m hohe Gänge in den Berg. Der "Vortrieb" lag bei ca. 3 cm pro Tag! Auch hieben sie mit Schlägel und Eisenhämmern große Kammern in den Fels. In ihnen drehten sich riesige Wasserräder. Sie dienten im Berg zum Transport von Gestein und Wasser aus den unteren Sohlen, den tiefer liegenden Gängen. Die tiefste Sohle lag ca. 360 m unter dem von uns benutzten Stollengang.

Eindrucksvoll war auch die Demonstration eines Bohrers und eines Überkopfladers aus der Zeit ab etwa 1950. Unter dem Getöse konnte man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Sehr spannend war es, als durch Lichtreflexe eine Sprengung im Berg simuliert wurde.

Die Führung machte deutlich, welch extremer Belastung die Bergmänner durch Dunkelheit, Lärm, Staub, Enge und übermäßige körperliche Anstrengung ausgesetzt waren. Viele erkrankten an Staublunge, Gelenkschäden und infolge radioaktiver Strahlung. Eine große Anzahl Bergleute starben sehr früh, oft auch durch Unglücksfälle.

Froh und dankbar fuhren wir aus dem Berg wieder aus und betraten mit einem "Glück auf!" die "Kaue", um unsere Bergmannsausrüstung abzulegen.

Nach dem Besuch des "Markus-Röhling-Stollens" stärkten wir uns gemeinsam mit unserem Bezirksältesten und dem Bezirksevangelisten bei einem kleinen Picknick. Dann führte uns der Wanderweg hinauf auf den Anna-Berg. Nach etwa einer Stunde erreichten wir unser zweites Tagesziel: die St. Annenkirche in Annaberg.

Die heilige Anna war die Schutzheilige für die Bergleute um den Schreckenberg, dem heutigen Annaberg-Buchholz. Die St. Annenkirche ist aus Feldsteinen gebaut. Im Innern findet sich ein riesiges helles Kirchenschiff mit wundervoll verzierten Decken und Wänden. Große Fenster lassen viel Licht herein.

Was werden wohl die Bergmänner beim Betreten dieses Gotteshauses gefühlt haben! Im Berg war es eng, dunkel, schmutzig und lebensgefährlich; hier in der Kirche auf dem Berg war es wie im Himmel - weit, hell, farbenfroh.

Während der Führung erfuhren wir viel Interessantes über die Annenkirche. Der Bergmannsaltar erzählt von dem schweren Leben der Bergleute. Jeder Bergmann gab einen Pfennig vom Wochenlohn, damit der Bau des Altars finanziert werden konnte. Es ist bekannt, dass die Bibel um 1500 nur in lateinischer Sprache existierte, die das einfache Volk weder lesen noch verstehen konnte. Deshalb wurden in der Annenkirche ca. 100 Bilder mit Motiven aus der biblischen Geschichte in Stein gehauen und farbig gestaltet. So konnte jeder die Bibel lesen!

Zum Abschluss der Führung durfte ein Konfirmand auf der großen Orgel spielen. Das war für uns und die anderen Besucher ein besonderes Erlebnis.

Nach dem Besuch in der St. Annenkirche verabschiedeten sich der Bezirksälteste und der Bezirksevangelist, uns aber brachte der Bus nach Jöhstadt, einem Ort kurz vor der "Schmalzgrube". Von hier wanderten wir noch ca. 4 km am Schwarzwasser und an der Schmalspurbahn entlang bis zum KIEZ.

Vor dem Abendessen kamen wir zu einer Konfirmandenstunde zum Thema "Unser Glaubensziel" zusammen. Ein begeistert begonnenes Fußballspiel endete auf Grund eines technischen Problems sehr schnell: Das runde Leder konnte der Wucht der Schüsse nicht standhalten. So begaben wir uns bald zur Nachtruhe.

Nach dem Frühstück am Sonntagmorgen fuhren wir zum Gottesdienst nach Annaberg-Buchholz. Zurück im KIEZ galt es schweren Herzens Koffer packen und Zimmer aufräumen. Wir mussten es akzeptieren, ob wir wollten oder nicht: "Es geht wieder ham!"

Auf der Rückfahrt nach Aue besuchten wir noch das "Modellbahnland Erzgebirge". Hier findet man die Region mit ihren vielen Normal- und Schmalspurbahnen nachgebildet; dabei konnte man so manches lustige Detail aus dem wahren Leben entdecken.

Allen, die mitgeholfen hatten, dass wir eine so schöne Konfirmandenfreizeit erleben durften, ein herzliches Dankeschön, besonders auch unseren Reporterinnen Rebekka Schmidt und Linda Dietel!

M. D.